Unsere Chorleiterin,
Liz Döhring, stellt sich in einem Interview vor.


? Liz, du leitest seit Jahren drei Frauenchöre. Du hast bestimmt Dirigat studiert, oder?
Nein, das würde ich nicht so sagen. Es sei denn, es zählen ein paar Stunden mit der Musiklehrerin im Gymnasium. Sie suchte eine Leiterin für den „Juniorchor“ und hat mich ausgesucht. Ich war 17 Jahre alt und war ihr wohl im Leistungskurs Musik aufgefallen.

? Das war in England?
Richtig – und ich stelle jetzt fest, dass ich eine sehr gute Musiklehrerin hatte. Ich habe schon in der Schule Arrangieren gelernt, und Cellospielen. Und ich weiß noch, wie sie gesagt hat, dass sie heraushören kann, ob man beim Singen lächelt. Und das konnte sie wirklich!

? Also du hast den „Juniorchor“ dirigiert?
Ja – und ich musste mit der linken Hand in einem Tempo dirigieren, während die rechte Hand im Doppeltempo schlug. Gar nicht so einfach!

? Und was hast du nach der Schule gemacht?
Ich hatte eine Ausbildung als Grundschullehrerin. Nebenher habe ich einen Studentenchor dirigiert und festgestellt, wie viel Spaß es mir macht – aber ich wollte blinde Kinder unterrichten.

? Hast du dein Ziel erreicht?
Nicht sofort. In England muss man zuerst fünf Jahre in „normalen“ Schulen unterrichten, bevor man sich für die Sonderschule weiter bildet. Nach drei Jahren in England wollte ich etwas Neues erleben und habe mich als Grundschullehrerin für die Kinder von Soldaten beworben. Die Bundeswehr schickte mich nach Penang, Malaysien, wo ich fast drei Jahre gearbeitet habe. Nach dieser tollen Zeit habe ich mich in der Universität von Birmingham als Lehrerin für Blinde qualifiziert.

? Als Musiklehrerin?
Nein, obwohl Musik ein Fach unter anderen war. Musik hat mich immer interessiert – und die Bühne auch. In Penang und in England habe ich viel Spaß am Schauspielern in Theatergruppen gehabt. Oh – und in Malaysien habe ich eine Zeitlang auch einen gemischten Chor (Erwachsene) dirigiert.

? Ich nehme an, du hast dann eine Stelle in einer Schule für Blinde bekommen?
Ja, in einem Internat. Ganz schön anstrengend, da fast alle Kinder noch zusätzliche Behinderungen hatten. Zur Entspannung habe ich als Hobby mit der Schauspielerei weitergemacht. Am liebsten spielte ich in Komödien. Da könnte ich ein paar Geschichte erzählen!

? Du warst auch in Australien und New York, wie kam das?
Ja – ich hatte ständig Fernweh. Nach dem Internat bekam ich eine Stelle in der Schule für Sehbehinderte in Brisbane. Australien hatte damals einen guten Ruf für Schauspielausbildung, und ich hatte dort die Gelegenheit, einige sehr lehrreiche Kurse zu belegen.

? Hat Schauspielern was mit Chorarbeit gemeinsam?
Oh ja! Beim Singen soll man eine Geschichte überzeugend erzählen. Chorsingen soll auch was fürs Auge anbieten, nicht nur fürs Ohr. Gesichtsausdruck und Körperhaltung spielen eine große Rolle.

? Ich verstehe immer noch nicht, warum du gerade in NRW gelandet bist.
Ah – da kam die Liebe ins Spiel. Am Great Barrier Reef (wie romantisch!) habe ich einen Deutschen kennen gelernt, und kurz danach haben wir geheiratet. So kam ich nach Deutschland, wo ich meinen Beruf leider nicht ausüben durfte. Nur mit Haushalt und Kindern war ich nicht zufrieden. Ich habe einen Barbershopchor gegründet.

? Das war in Sonsbeck, und warum kamst Du dann nach New York?
Da hat mein Mann für ein Jahr gearbeitet – und ich und die Kinder durften mit. Dann kehrten wir zurück nach Deutschland. Seitdem lebe ich am Niederrhein.

? Und wie kam Sound & Soul ins Leben?
Christa Kunellis hat mich darum gebeten. Ich war ziemlich unsicher, da ich nur mit einem acapella Frauenchor Erfahrung hatte. Aber warum nicht einen acapella Gospelfrauenchor gründen?

? Ja, warum eigentlich nicht? Aber wie gründet man mal eben einen Chor?
Man setzt eine Anzeige in die Zeitung (bzw. ins Kirchenblatt) und wartet gespannt, was daraus wird.

? Was wurde daraus?
Die Resonanz war erstaunlich! Zirka 50 Frauen kamen am ersten Abend! Was macht man mit 50 Frauen am ersten Abend? Es war ziemlich chaotisch. Aber allmählich wurden sie in vier Stimmgruppen verteilt, und über die Jahre hat sich ein spitzenmäßiger Chor daraus entwickelt.

? Aber es blieb nicht dabei, du hast noch einen dritten Frauenchor gegründet, die „Witches of Pitches“. Woher nimmst du die Power?
Man braucht Power, wenn man gestresst ist. Arbeit wird nur stressig, wenn man überfordert ist oder wenn sie keinen Spaß macht. Ich brauche keine Power.

? Liz, deine schauspielerischen und komödiantischen Vorlieben und Begabungen sind in Deinen Frauenchören bekannt. Wenn nun eine(r) dich bäte, z. B. ein Laienspieltheater auf die Beine zu stellen. Was würdest du antworten?
Zur Zeit hätte ich gar keine Zeit dafür – aber rein theoretisch würde ich so was super gerne machen!

Das dachte ich mir! Danke für das Interview.